ABEDL, alles klar‽
Folge 1

Ein aktives Leben trotz Pflegebedarf - Das Modell der fördernden Prozesspflege

ABEDL, alles klar!?

Wer sich im Pflegefall plötzlich mit einem Haufen neuer Informationen auseinander setzen muss, dem wird schnell schwindlig. Auch in Broschüren, auf Websites oder im Beratungsgespräch - die Theorie klingt oft klinisch und Fachbegriffe erschweren das Verständnis. Bei der Beschreibung von Pflegeeinrichtungen ist häufig von Pflegemodellen und Leitbildern die Rede. Es fallen Wörter wie „psychobiografisch“, „Selbstpflegedefizit-Ansatz“, "systemisch" oder Abkürzungen wie ABEDL. Was oft abschreckende Wirkung hat, soll eigentlich Orientierung geben und die Entscheidung für eine Einrichtung erleichtern.

Denn natürlich ist es bei der Pflegeplatz-Suche sinnvoll zu wissen, wie eine Einrichtung arbeitet und nach welchem Ansatz Pflegekräfte mit Bewohnerinnen und Bewohnern umgehen. Sei es im Seniorenzentrum, der stationären Altenpflege im Heim oder in einem anderen Wohnkonzept.

Fördern und Pflegen nach Modell

Ein solcher Ansatz, der in deutschen Pflegeheimen verbreitet ist, ist das so genannte „Modell der fördernden Prozesspflege“. Die Pflegewissenschaftlerin Monika Krohwinkel hat es in den Neunzigerjahren entwickelt. Es stellt die individuellen Bedürfnisse von Patienten und Bewohnerinnen von Pflegeeinrichtungen in den Mittelpunkt der Pflege.

Bedürfnisse und soziale Bindungen im Pflegeheim

Diese Bedürfnisse werden in verschiedene „Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens“, abgekürzt AEDL, eingeteilt. In Beschreibungen finden Sie für dieses Modell deshalb häufig auch die Bezeichnungen „Pflege nach AEDLs“, „Pflege nach Krohwinkel“ oder „AEDL-Strukturmodell“. Zu den AEDL gehören nicht nur vitale Tätigkeiten, wie Essen, Trinken und Schlafen, sondern auch wichtige Bereiche des Lebens, wie sich sicher und geborgen zu fühlen und soziale Kontakte zu pflegen. Eigentlich erscheint es logisch und menschlich, jeden Pflegebedürftigen in seiner konkreten Situation und als Individuum zu sehen. Tatsächlich gab es allerdings bis dahin nur wenige theoretische Konzepte, die dies vorrangig in den Blick nahmen. Weil soziale Bindungen so grundlegend wichtig für das Wohlbefinden des Menschen sind, erweiterte Monika Krohwinkel 1999 das Modell um den Aspekt der Beziehungen. Die fördernde Prozesspflege bekam den Buchstaben "B" dazu und so wurde aus AEDL -> ABEDL, „Aktivitäten, Beziehungen und existentielle Erfahrungen des Lebens“. Beziehungen meinen dabei aber nicht nur die Beziehung zu Angehörigen, wie Lebenspartnern, Kindern und Geschwistern. Sie beschreiben auch ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen. Prozesspflege heißt es deshalb, weil die Fähigkeit der Pflegebedürftigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, erhalten, aber auch gefördert werden soll.

Einrichtungen, die sich nach dem Modell der fördernden Prozesspflege richten, achten auf eine Umgebung, in der nicht nur medizinische Krankenpflege betrieben wird, sondern in der auch Raum ist für die Biografie und Persönlichkeit der einzelnen Bewohnerinnen und Bewohner ist. Ihr Wohlergehen ist Maßstab der Pflege und Betreuung nach ABEDL. Zusammengefasst könnte man sagen, die fördernde Prozesspflege betrachtet den Menschen als Individuum von Körper und Geist. Ein ganzheitlicher Ansatz, der das Leitbild vieler unserer Partner-Pflegeheime bestimmt.

kl

Hier Pflegeheime finden, die nach dem ABEDL-Modell arbeiten.